Der W-W²-W³-Ansatz von WERUCON strukturiert die Auslegung einer präzisen Beölung in Stanz- und Umformprozessen. Das Konzept verbindet drei Entscheidungen: Welcher Schmierstoff eignet sich, welche Menge benötigt jede Schmierstelle und wann muss das Medium dort ankommen? Erst das abgestimmte Zusammenspiel ermöglicht eine reproduzierbare und bedarfsgerechte Schmierstoffversorgung.
Vereinfacht wird das Konzept auch als WWW-Ansatz bezeichnet. Es ergänzt die Frage nach dem Ort der Schmierung um eine klare Auslegungslogik. Grundlagen zu Wirkstellen, Auftragsarten und typischen Fehlerbildern finden Sie in unserem Ratgeber Beölung im Stanzwerkzeug.
Kurz erklärt:
W-W²-W³ verbindet Schmierstoff, Dosiermenge und Taktung. Alle drei Parameter müssen zum realen Prozess passen, damit das Medium den vorgesehenen Wirkpunkt zuverlässig erreicht. Als Wirkpunkt gilt die konkrete Stelle, an der der Schmierstoff im Prozess wirken muss.

Inhaltsverzeichnis:
- Was bedeutet der W-W²-W³-Ansatz?
- W: Welcher Schmierstoff passt zum Prozess?
- W²: Welche Menge benötigt jede Schmierstelle?
- W³: Welcher Zeitpunkt sichert die Schmierwirkung?
- Praxisbeispiel: W-W²-W³ konsequent anwenden
- Von der Simulation zur automatisierten Beölung
- Welche Technik setzt den W-W²-W³-Ansatz um?
- Wann lohnt sich die Analyse nach W-W²-W³?
- W-W²-W³ mit WERUCON in die Praxis übertragen
- FAQ
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Was bedeutet der W-W²-W³-Ansatz?
Die drei W-Fragen strukturieren die Auslegung. Die Hochzahlen stehen nicht für mathematische Rechenschritte, sondern verdeutlichen die zunehmende Konkretisierung. In der Praxis werden das Medium, die Menge und der Zeitpunkt jedoch gemeinsam aufeinander abgestimmt und bei Änderungen iterativ überprüft.
Hinzu kommt die Ortsfrage: Wo liegt die kritische Schmierstelle? Eine Werkzeuganalyse und Simulation können darauf Hinweise liefern. Der W-W²-W³-Ansatz legt anschließend fest, wie die passende Dosiertechnik diesen Wirkpunkt sicher versorgt.
| Variable | Kernfrage | Technische Klärung | Ziel im Prozess |
| W | Welcher Schmierstoff? | Medium, Viskosität sowie Werkstoff- und Prozessverträglichkeit | Das Medium lässt sich sicher fördern, dosieren und an der Schmierstelle wirksam einsetzen. |
| W² | Welche Menge? | Bedarf je Schmierstelle und Hub, Dosierfenster, Wiederholgenauigkeit | Jede Wirkstelle erhält genug Medium, ohne unnötigen Überschuss. |
| W³ | Welcher Zeitpunkt? | Maschinensignal, Takt, Hubphase und Reaktionszeit | Der Schmierstoff steht im entscheidenden Prozessmoment bereit. |
W: Welcher Schmierstoff passt zum Prozess?
Die Auswahl richtet sich nicht allein nach der Schmierwirkung. Das Medium muss sich auch sicher fördern, dosieren und am vorgesehenen Punkt applizieren lassen. Deshalb fließen der Werkstoff, der Umformgrad, die Flächenpressung, die Werkzeuggeometrie und die nachfolgenden Prozessschritte gemeinsam in die Bewertung ein.
Am Ende dieser Stufe steht ein freigegebenes Medium mit bekanntem Verhalten. Darauf lassen sich die Pumpenauslegung, die Leitungsführung und die Düsengeometrie belastbar abstimmen.
Wichtige Prüfkriterien sind:
- Viskosität:
Sie beeinflusst das Förderverhalten, die Leitungsdimensionierung sowie das Tropfen- oder Sprühbild. - Werkstoff und Oberfläche:
Stahl, Edelstahl, Buntmetalle und beschichtete Bleche stellen unterschiedliche Anforderungen an die Schmierung. - Temperatur und Prozessgeschwindigkeit:
Beide Faktoren können das Fließverhalten und die Verfügbarkeit des Schmierstoffs am Wirkpunkt verändern. - Weiterverarbeitung:
Reinigung, Beschichtung, Fügen oder Montage können Grenzen für Rückstände auf dem Bauteil setzen.
W²: Welche Menge benötigt jede Schmierstelle?
W² übersetzt die Schmieraufgabe in einen reproduzierbaren Volumenbedarf. Entscheidend ist nicht die Gesamtmenge im Werkzeugraum, sondern der Bedarf an jeder einzelnen Wirkstelle. Zu wenig Schmierstoff begünstigt Reibung, Materialanhaftungen und Verschleiß. Zu viel Medium verursacht einen Ölüberschuss, verschmutzte Bauteile und einen zusätzlichen Reinigungsaufwand.
Bei der Auslegung der benötigten Schmierstoffmenge sind insbesondere folgende Faktoren relevant:
- Anzahl und Lage der Schmierstellen
- Belastung der einzelnen Wirkstellen
- Taktzahl der Anlage
- Länge und Verlauf der Leitungswege
- gewünschtes Auftragsbild
Mikrodosierung präzise und wiederholgenau umsetzen
Volumetrische Pumpen stellen ein festgelegtes Volumen wiederholgenau bereit. Bei der Lösung von WERUCON versorgt eine separate Pumpe jede Düse. Dadurch lassen sich die Schmierstellen bedarfsgerecht ansteuern und einzeln überwachen.
Die Minimalmengenschmierung ist kein pauschales Sparprogramm. Sie eignet sich, wenn die technisch notwendige Menge sicher bestimmt und präzise an den Wirkpunkt gebracht werden kann. Passende Minimalmengenschmiersysteme verbinden geringe Dosiermengen mit kontrollierter Applikation.
Praxischeck:
Reduzieren Sie die Ölmenge nicht isoliert. Prüfen Sie zuerst, ob jede kritische Zone erreicht wird und die eingestellte Menge über den gesamten Produktionslauf reproduzierbar bleibt.
W³: Welcher Zeitpunkt sichert die Schmierwirkung?
Auch das richtige Medium in der richtigen Menge verfehlt seinen Zweck, wenn es zu früh oder zu spät ausgegeben wird. In getakteten Stanzprozessen muss die Dosierung deshalb mit dem Stanzautomaten synchronisiert sein. Entscheidend ist, dass der Schmierstoff den Wirkpunkt in der passenden Hubphase erreicht.
Für die Abstimmung zählen das Maschinensignal, die Taktzahl, die Reaktion von Ventil und Pumpe sowie die Leitungslänge und die Fließzeit. Die Steuerung löst die Dosierung im definierten Zeitfenster aus. Ändern sich die Hubzahl, das Werkzeug oder die Rezeptur, müssen die Menge und der Zeitpunkt gemeinsam neu bewertet werden.
Praxisbeispiel:W-W²-W³ konsequent anwenden
Ein typisches Szenario: An einem Stempel eines Folgeverbundwerkzeugs treten wiederholt Materialanhaftungen auf, obwohl im Werkzeugraum Ölüberschuss sichtbar ist. Statt die Gesamtmenge zu erhöhen, wird die kritische Wirkstelle nach W-W²-W³ analysiert.
- W – Schmierstoff prüfen: Passt das Medium zur Werkstoffpaarung, zur Belastung und zur vorgesehenen Applikationsart?
- W² – Menge festlegen: Welches Volumen benötigt genau diese Stelle je Hub, und wie lässt es sich wiederholgenau bereitstellen?
- W³ – Zeitpunkt synchronisieren: Wann muss die Pumpe auslösen, damit der Schmierstoff vor der belastenden Hubphase am Stempel ankommt?
Das Beispiel verdeutlicht: Entscheidend ist nicht zwangsläufig mehr Öl, sondern die bedarfsgerechte Versorgung der Problemstelle. Die konkreten Parameter müssen am jeweiligen Werkzeug ermittelt und unter Produktionsbedingungen überprüft werden.
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Von der Simulation zur automatisierten Beölung
Besonders wirksam ist der Ansatz, wenn die Schmieraufgabe bereits in der Konstruktionsphase berücksichtigt wird. CAD- und Umformsimulationen können hoch belastete Zonen sichtbar machen. Der Werkzeugbau, die Produktion und die Dosiertechnik leiten daraus die tatsächlichen Schmierpunkte sowie die geeignete Einbausituation für Düsen und Leitungen ab.
Ein typischer Auslegungsablauf umfasst vier Schritte:
- Kritische Zonen lokalisieren: Simulation, Werkzeugdaten und Erfahrungen aus vergleichbaren Prozessen zusammenführen.
- W-W²-W³ definieren: Medium qualifizieren, Dosierfenster je Wirkstelle festlegen und den Ausgabezeitpunkt auf den Stanzhub abstimmen.
- System integrieren: Pumpen, Leitungen, Düsen, Sensorik und Steuerung an das Werkzeug und die Anlagenumgebung anpassen.
- Prozess überwachen: Dosierung, Medienversorgung und relevante Systemzustände kontrollieren und dokumentieren.
Bei innenliegenden oder schwer erreichbaren Wirkstellen führt eine Stanzwerkzeug-Innenbeölung oder Stempelschmierung den Schmierstoff direkt an den belasteten Bereich. Kleine Düsen lassen sich je nach Werkzeug bereits konstruktiv berücksichtigen oder häufig nachrüsten.
Planung oder Nachrüstung?
WERUCON prüft gemeinsam mit Ihnen, welche Schmierstellen, Düsen und Dosierkomponenten zu Ihrem Werkzeug und Produktionsablauf passen.
Welche Technik setzt den W-W²-W³-Ansatz um?
Der Ansatz beschreibt eine Auslegungslogik für die Schmierstoffversorgung. In der Praxis werden dafür Medienversorgung, volumetrische Pumpen, Leitungen, applikationsnahe Düsen, Sensorik und Steuerung aufeinander abgestimmt. Moderne Dosieranlagen verbinden diese Komponenten zu einem automatisierten System.
- Reproduzierbare Förderung: Das definierte Volumen muss auch bei langen Produktionsläufen stabil bereitgestellt werden.
- Passende Düsengeometrie: Sie richtet den Schmierstoff auf den Wirkpunkt und passt in den vorhandenen Bauraum.
- Getrennte Ansteuerung: Einzelne Pumpen oder Kanäle versorgen unterschiedliche Schmierstellen bedarfsgerecht.
- Überwachung: Die Steuerung kontrolliert relevante Schritte und macht Abweichungen früh erkennbar.
Welche Kombination passt, hängt vom Werkzeug, vom Medium und von der Anlagenumgebung ab.
Wann lohnt sich die Analyse nach W-W²-W³?
Der Ansatz eignet sich für neue Werkzeuge ebenso wie für die Optimierung bestehender Prozesse. Eine strukturierte Analyse ist besonders sinnvoll, wenn einzelne Zonen trotz hohen Ölverbrauchs unterversorgt bleiben oder sich Abweichungen nicht allein über die Schmierstoffmenge erklären lassen.
- Verschleiß oder Materialanhaftungen treten wiederholt an denselben Stellen auf.
- Bauteile oder Werkzeugumgebung weisen sichtbaren Ölüberschuss auf.
- Teilequalität, Standzeiten oder Schmierergebnisse schwanken zwischen Produktionsläufen.
- Ein neues Werkzeug soll von Beginn an mit definierten Schmierstellen ausgelegt werden.
- Taktzahl, Werkstoff oder Schmierstoff ändern sich und erfordern eine neue Abstimmung.
Die passende Lösung ergibt sich aus dem Zusammenspiel von Werkzeug, Medium, Bauraum und Anlagenumgebung. Weitere Beispiele finden Sie bei den Anwendungen der Dosiertechnik.
W-W²-W³ mit WERUCON in die Praxis übertragen
WERUCON betrachtet Schmierstoff, Dosiermenge, Taktung, Werkzeuggeometrie, Bauraum und Steuerungsintegration als eine zusammenhängende Aufgabe. Für Produktionsverantwortliche, Werkzeugbauer und Konstrukteure schafft der W-W²-W³-Ansatz damit eine gemeinsame Sprache und eine nachvollziehbare Grundlage für die technische Auslegung.
„In der Praxis entscheidet nicht die Ölmenge im Werkzeugraum, sondern ob jede kritische Wirkstelle zum richtigen Zeitpunkt reproduzierbar versorgt wird.“
Nächster Schritt:
Sie möchten kritische Schmierstellen bewerten oder eine bestehende Beölung optimieren? WERUCON prüft mit Ihnen Medium, Dosiermenge und Zeitpunkt und entwickelt daraus eine passende Dosierlösung für Ihren Prozess.
FAQ
Was ist der W-W²-W³-Ansatz?
Der W-W²-W³-Ansatz ist ein von WERUCON genutztes Konzept zur Auslegung präziser Schmierprozesse. Er beantwortet drei zusammenhängende Fragen: Welcher Schmierstoff wird benötigt, welche Menge benötigt jede Schmierstelle und zu welchem Zeitpunkt muss die Ausgabe erfolgen?
Wofür stehen W, W² und W³?
W steht für den passenden Schmierstoff, W² für die benötigte Dosiermenge und W³ für den prozessgerechten Zeitpunkt. Die Hochzahlen verdeutlichen die aufeinander aufbauende Konkretisierung der Schmieraufgabe.
Warum reicht es nicht, nur die Schmierstoffmenge zu optimieren?
Die Menge wirkt nur im Zusammenspiel mit dem Medium, der Wirkstelle und dem Zeitpunkt. Eine reduzierte Dosierung kann eine kritische Zone unterversorgen, wenn der Schmierstoff ungeeignet ist oder den Wirkpunkt nicht rechtzeitig erreicht.
Welche Rolle spielen CAD- und Umformsimulationen?
Simulationen können belastete Bereiche im Werkzeug früh sichtbar machen. Gemeinsam mit Werkzeugdaten und Praxiserfahrung helfen sie, Schmierstellen zu bestimmen und Düsen, Leitungen sowie Einbauräume schon in der Konstruktion zu berücksichtigen.
Lässt sich der W-W²-W³-Ansatz bei bestehenden Werkzeugen anwenden?
Ja. Bestehende Prozesse lassen sich anhand von Medium, Dosiermenge, Zeitpunkt und Lage der Schmierstellen prüfen. Ob eine Nachrüstung möglich ist, hängt vor allem von Werkzeugaufbau, Bauraum, Steuerung und Applikationsart ab.
